Auf den Spuren von Künstler und Denkern das Trentino entdecken

Von Dürer bis Freud, von Depero bis Segantini: Entdecken Sie Orte, die einst schon große Künstler und Denker in den Bann gezogen haben

Wissen Sie, was Dürer und Musil gemeinsam haben? Sie waren fasziniert von den Trentiner Bergen, von den idyllischen Weiden und dem Leben der Bauern. Dürer hat diese Momente in seinen Aquarellen festgehalten, Musil in seinen Erinnerungen. Aber auch lokale Künstler wie Fortunato Depero und Giovanni Segantini haben sich von der Trentiner Landschaft inspirieren lassen.

Kunst- und Literaturliebhaber erkunden das Trentino auf den Spuren großer Künstler. Hier sechs Routenvorschläge:

Albrecht Dürer und das Val di Cembra – Landschaften in Farbe eingefangen

Ende des 15. Jahrhunderts reiste der große Renaissancekünstler Albrecht Dürer nach Venedig. Auf seinem Weg dorthin besuchte er den Lago Santo und das Val di Cembra, und dort malte er die Burg Castello di Segonzano. Noch heute lassen sich Kunstbegeisterte von seinen Aquarellbilder bezaubern und erkunden auf dem Dürerweg die Region. Der Weg ist in mehrere Etappen aufgeteilt und besitzt unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.

Fortunato Depero – Das Haus der futuristischen Kunst in Rovereto

Kennen Sie die kräftigen Farben und geometrischen Formen des Futurismus? Haben Sie schon mal die Campari-Werbung gesehen, die Fortunato Depero Anfang des 20. Jahrhunderts gezeichnet hat?

Das Casa d'Arte Futurista – das Haus der futuristischen Kunst in Rovereto – ist nicht nur ein Galerie, sondern ein von Depero im Jahr 1919 entwickeltes und durchdachtes Projekt und heute das einzige futuristische Museum Italiens. In diesem Haus hat der Künstler nicht nur einige seiner Werke geschaffen, sondern er hat sich auch persönlich um alle Details gekümmert: die Mosaike, die Möbel und die bemalten Tafeln. Zu seinem künstlerischen Vermächtnis gehören zahlreiche Werke von Gemälden über Theaterplakate bis hin zu Möbeln und Skulpturen.

Robert Musil und das Valle dei Mocheni: "Grigia" und der Rundweg Musil en Benstol

Der österreichische Schriftsteller Robert Musil verbrachte Anfang des vergangenen Jahrhunderts als Leutnant der österreichisch-ungarischen Armee ein Jahr im Valle dei Mocheni, auch Fersental oder im Dialekt Bernstol genannt. Er war nicht nur von den landschaftlichen Reizen des abgelegenen Tals beeindruckt, sondern auch von der Bevölkerung, die einen altertümlichen bayerischen Dialekt sprach.

Diese Eindrücke verarbeitet er in seiner Novelle „Grigia“, die von der stürmischen, aber traurigen Liebe zwischen einem Fremden und einer einheimischen Bauersfrau erzählt. Heute können Literaturfreunde auf den Spuren Robert Musil das Valle dei Mocheni erkunden. Der Rundweg Musil en Benstol verbindet die wichtigsten Stationen im Tal aus dem Leben des Schriftstellers.

Giovanni Segantini in Arco

Bis zu seinem siebten Lebensjahr hat der Maler Giovanni Segantini in Arco gelebt, um sich dann nach den wilden Jahren der  Jugend in den Bündner Alpen in der Schweiz niederzulassen. Er gilt als Meister der Hochgebirgslandschaft, was wiederum seine Beziehung zum Trentino zum Ausdruck bringt. Dank seiner eigenen pointillistischen Maltechnik war er in der Lage, mit einer bis dato ungekannten Genauigkeit Lichtverhältnisse und naturalistische Wirkung wiederzugeben. Sein Bildsprache gleicht einer Poesie von ungemeiner Leuchtkraft.

Wer sich für die Werke des Künstlers interessiert, besucht die gleichnamige Galerie in Arco im Palazzo Panni. Das kleine, liebevoll gestaltete interaktive Museum stellt eine ideale Möglichkeit dar, sich der Trentiner Kunst des späten neunzehnten Jahrhunderts anzunähern.

Arthur Schnitzler und San Martino di Castrozza: Fräulein Else

Der österreichische Schriftsteller Arthur Schnitzler gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne. Der italienische Kurort San Martino di Castrozza und der Cimon della Pala haben ihn 1924 zu seiner Erzählung „Fräulein Else“ inspiriert. Diese beeindruckende Novelle lebt nur von inneren Monologen und stellt die großartige Bergwelt in Kontrast zur spießigen Kleinbürgerlichkeit, in der die neunzehnjährige Hauptfigur Fräulein Else lebt.
Arthur Schnitzler versetzt sich nicht nur in die Lage der Unglücklichen, sondern prangert gelichzeitig die Doppelmoral der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts an. Ein literarisches und psychologisches Meisterwerk, dass unbedingt im Schatten der wunderbare Dolomiten gelesen werden will.

Sigmund Freud als Urlauber in Lavarone

Zu Beginn der 20. Jahrhunderts reisten viele wohlhabende Österreicher ins Trentino, das damals gerne auch als „italienisches Tirol“ bezeichnet wurde. Darunter war auch der große Denker und Psychoanalytikers Sigmund Freud, der Lavarone und den gleichnamigen See sehr schätze. In den Jahren 1906 und 1907 verbrachte er dort im Hotel Du Lac mit seiner Familie den Sommerurlaub. Nach Kriegsende kehrte er 1923 noch einmal zurück.

Wie er in seinen Reisetagebüchern schreibt, war er mit seinen Angehörigen wohl die erste Wiener Familie, die in dieser unberührten Gegend ihren Urlaub verbrachte. Er liebt es, durch die Wälder zu streichen und Pilze zu sammeln, im See zu baden und Ausflüge an den Gardasee, nach Caldonazzo  und Molveno zu unternehmen.