Die Dolomiten, das Tor zum Universum

Lago di Fedaia, Val di Fiemme

Berge sind das „Tor zum Himmel“ – diesen Spruch hören wir seit ältester Zeit, aber heute wissen wir, dass sie es wirklich sind, viel mehr als wir denken. Unter dem Lago di Fedaia (Fedaia-See), auf der Trentiner Seite, kann man eine kleine Hütte erkennen. Auf den ersten Blick scheint sie nichts Besonderes zu sein, nur eine halb verwahrloste Hütte, die jedoch früher eines der wichtigsten Labors für moderne Physik war, das Mitte der 1950er Jahre von Forschern wie Blackett, Powell und Fermi benutzt wurde.

Das Labor am Passo Fedaia ist ein Zeugnis der Jahre, in denen die Dolomiten Schauplatz eines wichtigen Kapitels der modernen Physik waren und in jeder Hinsicht zu einer wahren „Brücke zum Universum“ wurden. Hier, in diesen Bergen wurden einige bahnbrechende Experimente der Teilchenphysik ausgeführt. Im Schatten dieser Gipfel untersuchten italienische Forscher ein faszinierendes und immer noch geheimnisvolles Phänomen: die kosmische Strahlung.

Wissenschaft und Natur in den Dolomiten: Ein Labor am Passo Fedaia

"Unter dem Fedaia-See kann man eine kleine Hütte erkennen..."

Aber warum in den Dolomiten? Die kosmische Strahlung ist eine superenergetische Teilchenstrahlung, die zum größten Teil aus Protonen besteht. Die Energie, mit der sie geladen sind, entspricht dem 100-Millionenfachen der Energie von in modernen Beschleunigern erzeugten Teilchen. Sie werden von der Sonne, von anderen Sternen oder von massiven Energiephänomenen, wie Galaxienkollisionen oder kreisenden schwarzen Löchern erzeugt. Da sie in das Weltall geschleudert werden, gelangen sie bis in die Nähe der Erde, wo sie teilweise von den Gasen in der Atmosphäre absorbiert werden. Je höher man sich befindet, desto besser kann dieses Phänomen beobachtet werden.

Dies bemerkte der Physiker Giuseppe Cocconi, der 1942-43 die herrliche Landschaft des Sellajochs (2200 m) zu seinem Labor machte. Seine Studien stellten ein wichtiges Kapitel in der Erforschung der kosmischen Strahlung dar, sodass sie nach dem Krieg in der renommierten Zeitschrift Physical Review veröffentlicht wurden.

Wissenschaft und Natur in den Dolomiten: Ein Labor am Passo Fedaia

"Auf dem Sass Pordoi (fast 3000 m ü. d. M.) der Partikelschauer besonders intensiv"

Dank der Forschungstätigkeit in den Dolomiten wissen wir heute, dass die kosmische Strahlung besondere Eigenschaften besitzt: Durch die Rückwärtsuntersuchung der Trajektorien zur Erde können die Phänomene aufgedeckt werden, die die Strahlung in großer chronologischer- und räumlicher Entfernung im Kosmos hervorgerufen haben. Es handelt sich also um eine Art Energieschauer, bei dem jeder Tropfen eine Information über das Leben in unserem Universum enthält. Wenn wir uns auf einem Gipfel befinden, können wir uns vorstellen, dass wir von einem Schwarm von Botschaften bombardiert werden, die uns der Kosmos sendet, um uns von sich selbst zu erzählen.

So ist beispielsweise bei einer Wanderung zum Schutzhaus Maria auf dem Sass Pordoi (fast 3000 m ü. d. M.) der Partikelschauer besonders intensiv: eine außergewöhnliche Aussichtsplattform, auf der Sie den Geheimnissen des Kosmos näher treten und das monumentale Schauspiel der Dolomiten in vollen Zügen genießen können.

Veröffentlicht am 23/10/2019