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Im Folgenden erfahren Sie alles über aktuelle Sicherheitsmaßnahmen und geltende Regeln, die Sie und andere vor einer Corona Infektion schützen sollen. 

Interview mit dem Trentiner Radsportler Francesco Moser

Die siegreichen Etappen seiner Laufbahn: vom Zweirad bis zu den Perlen des Trentodoc

Es gibt einige Spitzensportler, die auch nach dem Ende ihrer sportlichen Karriere im Gedächtnis und in den Herzen der Menschen bleiben. Siege, Preise und Rekorde sind wichtig, aber ein Champion ist ein Athlet, der neben seinen Erfolgen auch noch anderes vorweisen kann: Persönlichkeit, Hartnäckigkeit, Charakterfestigkeit. Qualitäten, die über die sportlichen Leistungen hinausgehen.

Francesco Moser, oder Checco, wie ihn jeder im Trentino liebevoll nennt, gehört zu diesem kleinen Kreis von Spitzensportlern. Mit seiner Hartnäckigkeit hat dieser großartige Radsportler das Herz aller Sportbegeisterten erobert und auch heute noch ist er einer der beliebtesten Ex-Athleten Italiens. Palù di Giovo, ein kleines Dorf im Valle di Cembra, ist seine Heimat. Von hier aus eroberte Moser die wichtigsten internationalen Bühnen, u.a. Japan, Venezuela, Mexiko, aber die Weinstöcke, Berge und Menschen seiner Heimat lagen ihm stets sehr am Herzen.

Francesco Moser: sein Herz schlägt für den Radsport und das Trentino

Wie hatte damals alles angefangen, Francesco?

Palù ist und war immer mein Lebensmittelpunkt, auch wenn ich viele Jahre lang für meine Radrennen in der ganzen Welt unterwegs war. In Venezuela habe ich das Regenbogentrikot erobert, in Japan habe ich als erster italienischer Radrennfahrer an einem Rennen teilgenommen, in Mexiko habe ich einen Stundenweltrekord aufgestellt und war dann 15 Jahre lang als Profifahrer in ganz Europa unterwegs. Mir war egal, wo es hinging und wie lange ich von Zuhause weg war, Hauptsache, ich konnte nach jedem Rennen zurück nach Palù, zu den Rebstöcken, meinen Bergen und meinen Leuten.

 

Wie bist du zum Rennradfahren gekommen?

Mein Bruder Aldo schlug mir an einem Junitag eine Fahrt auf dem Fahrrad vor. Nur wenige Wochen vorher war ich achtzehn Jahre alt geworden, ich war sehr jung, schüchtern und wortkarg. Ich war einfach ein Junge aus einer Familie mit elf Kindern, die ihren Vater viel zu früh verloren hatten, und arbeitete den ganzen Tag auf den Feldern. In mir verspürte ich immer eine Art von Beengung und Sorge. Doch an diesem Tag, als ich mich nur bemühte, in die Pedale zu treten, vergaß ich den ganzen Rest. Ich genoß es, dass sich die Räder auf dem Asphalt, auf den Wegen und in den Bergen um mich herum schnell drehten.

Als ich oben ankam, hatte ich Aldo hinter mir gelassen. Wenn du oben auf einem unbekannten Gebirgspass ankommst, möchtest du natürlich entdecken, was auf der anderen Seite ist und einfach nachschauen. Du bekommst Lust, neue Orte zu entdecken und zu reisen, das ist das Schöne am Radsport.

Damals kehrten wir zurück nach Hause und ich sagte, dass ich probeweise an ein paar Radrennen teilnehmen wollte. Wenn es mir gelänge zu gewinnen, würde ich weitermachen. Ich errang sofort einen Sieg, also blieb ich dabei. Im Grunde hat es mich selbst am meisten überrascht.“

Francesco Moser: sein Herz schlägt für den Radsport und das Trentino

Wie hat sich deine Karriere entwickelt?

„Wir waren zuhause elf Geschwister. Aldo, Enzo und Diego waren Radsportprofis, sie waren älter als ich. Ich habe spät mit dem Radsport begonnen und bin ihren Spuren gefolgt. Es war nicht leicht, denn ich war eigentlich immer ein verschlossener Typ und daran gewöhnt, frei heraus zu sagen, was ich denke, auch wenn es unbequeme Dinge waren.

Es war wohl von Anfang an meine Bestimmung, neue Wege zu gehen. In einem Jahr weigerte ich mich, am Giro d’Italia teilzunehmen, weil es kein Radrennen war, das sich für meine Eigenschaften eignete. Bis zu diesem Zeitpunkt war es für die Organisatoren selbstverständlich, dass sich die Fahrer an ihre Vorstellungen anpassten und einfach fuhren. Zum Glück laufen die Dinge heute anders, die Meinung der Radsportler wird stärker berücksichtigt, nicht zuletzt dank meiner damaligen Entscheidung.

 

Du hast in deiner sportlichen Laufbahn 273 Rennen gewonnen, darunter einmal den Giro d’Italia, eine Weltmeisterschaft, dreimal Paris-Roubaix und Mailand–Sanremo. Welches davon bedeutet dir am meisten?

Was für mich zählt, ist nicht das einzelne Rennen, sondern die Gesamtheit. Jeder meiner Siege ist ein Stück im Mosaik meiner Erfolge, zu denen ich auch die Stundenweltrekorde zähle. Der Radsport ist genau das: durch Ausdauer und Training das Unmögliche möglich machen.

 

Und die Paris-Roubaix-Rennen?

Ich habe dreimal gewonnen, das erste Mal 1978. Beim Start schneite es, während des Rennens gab es alles – Regen, Sonne, Schnee und Wind. Für die Belgier ist Roubaix ein Ritual. Zweiundzwanzig Kilometer vor dem Ziel reiße ich aus, Maertnens und Raas versuchen, mich zusammen mit De Vlaeminck wieder einzufangen, es gelingt mir aber, ihnen zu entkommen. Als ich in die Radrennbahn von Roubaix einfahre, erhebt sich das Publikum von den Sitzen und feuert mich an. Sie applaudieren und rufen meinen Namen. Das ist eine Gänsehauterfahrung, ich sehe diesen Moment immer noch glasklar vor meinen Augen. Ich habe viel stärkere Erinnerungen daran, als an die beiden folgenden Siege.

Francesco Moser: sein Herz schlägt für den Radsport und das Trentino

Und welcher von deinen Erfolgen hat für dich einen besonderen Stellenwert?

Der Stundenweltrekord in Mexiko-Stadt. Keiner schien zu glauben, dass ich den Weltrekord von Merckx überbieten könnte. Außer Alfredo Martini, dem technischen Kommissar der Straßenradsport-Nationalmannschaft, war kein anderer Funktionär oder Sportdirektor aus Italien gekommen, um mich zu sehen. Es waren auch nur wenige Journalisten dabei.

Man setzte mich aufs Rad, die Fahrradschuhe waren am Rad angeschraubt. Einmal drauf, musste man praktisch eins werden mit dem Rad. Der optimistischste Zeitplan sah ein Ergebnis von etwa 51,2 km/h vor und ich schloss den zweiten Versuch mit 51,151 km/h ab [Sein Trentodoc ist diesem Meilenstein gewidmet].

Vor dem Weltrekord wurde der von mir für den Versuch gewählte Zeitpunkt als falsch angesehen, die Position galt als unnatürlich und die Scheibenräder als zu schwer. Nach dem Rekord waren dann alle mit meinen Entscheidungen und denen der Techniker einverstanden. Im Grunde habe ich keinen Rekord überboten, sondern eine neue Art eingeführt, den Radsport zu denken.

 

Und dann kam das dritte Kapitel deiner Karriere mit dem Sieg beim Giro d’Italia 1984, der in Verona endete.

Ich hatte 1 Minute und 21 Sekunden Rückstand zum Fahrer mit dem rosa Trikot, Laurent Fignon. Ich holte aber alles auf und fuhr voran. Ich erinnere mich an die Einfahrt in die Arena von Verona, das Ziel war ganz nah, endlich konnte ich den Giro gewinnen. Vom Begleitfahrzeug hinter mir wurden mir Kilometer für Kilometer die Zeiten durchgegeben und ich war mir sicher, zu gewinnen. Kurz vor der Ziellinie in der Arena wurde das Begleitfahrzeug umgeleitet, um die Strecke zu verlassen, und ich fuhr allein in die Unterführung hinein.

Das Brausen des Publikums wurde stärker, je mehr ich mich dem Eingang der Arena näherte. Während der gesamten Etappe war ich links und rechts an den Straßenrändern von einer anfeuernden Menge umgeben gewesen – dort, auf diesen zehn Metern der dunklen Unterquerung war ich endlich einige Sekunden allein mit mir selbst. Ich habe es genossen. Nach den wenigen Metern im Dunkeln sah ich ein starkes Licht mit rosafarbenen Rändern. Ich fuhr ins Amphitheater hinein und es war wie ein Sprung ins Helle und in die aufbrausende Begeisterung. Die Menschen empfingen mich mit einem ohrenbetäubenden Aufschrei. 

Nachdem ich dreimal auf dem Podium gestanden hatte und im Vorjahr hinter Saronni Zweiter geworden war, hatte ich nun endlich auch den Giro d’Italia gewonnen. Meine schönsten Siege waren alle so, wie eine Art persönlicher Auferweckung. Im Grunde ist der Radsport genau das: das Bemühen, sich selbst immer wieder zu verbessern.

Auf den Spuren von Francesco Moser

Auf den Spuren von Francesco Moser

Anstieg von Palù
Veröffentlicht am 30/04/2021