Ein Denkmal für den Frieden

Im Trentino erinnern bis heute 80 Festungen, 19 Museen und Hunderte Kilometer vom Saumpfaden und Schützengräben an die traurigen Ereignisse des Ersten Weltkriegs. Gleichzeitig sollen sie uns verdeutlichen, wie wichtig es ist, in Frieden zu leben. Bereits vor über 20 Jahren entstand der Friedenspfad, dessen Wege an außergewöhnlichen Naturschauplätzen vorbeiführen

Es ist die bittere Ironie der Geschichte: Dort, wo im Ersten Weltkrieg die schlimmsten Kämpfe stattfanden, genießen heute Wanderer die einmalige Schönheit und den stillen Frieden der Natur. In den Jahren 1915 bis 1918 durchzog die Frontlinie auf einer Länge von 350 Kilometern das gesamte Trentino, überquerte Berggipfel und Täler. Als ärgster Feind der Soldaten entpuppte sich allerdings die Natur, die die Soldaten auf beiden Seiten auf ungeahnte Weise herausforderte.

 

Ein Ort der Ort der Erinnerung

Das Trentino hat diese dramatische Periode der Zeitgeschichte auf vorbildliche Weise aufgearbeitet und zahlreiche Festungen, Schützengräben und andere Zeugnisse des militärischen Wahnsinns sind zu Mahnmalen des Friedens geworden. Die Region führt einen aktiven Dialog zwischen Vergangenheit, Erinnerung und Gegenwart und hat sich zu einem Parco della Memoria entwickelt. Zu diesem „Ort der Erinnerung“ gehören heute 19 Museen, 80 österreichisch-ungarischen Forts, Tunnel, Saumpfade und kilometerlange Schützengräben. Alle zusammen und jeder für sich erzählen traurige Geschichten aus der Vergangenheit, die uns heute jedoch zu einem friedlichen Zusammenleben in der Gegenwart mahnen sollen. Der Parco della Memoria verbindet auf unnachahmliche Weise Geschichte mit Berg, ökologischem Feingefühl und historischen Zusammenhängen.

 

Sentiero della Pace

Bereits vor über 20 Jahren entstand ein Friedenspfad, der Sentiero della Pace. Seine Wege verlaufen stückweise auf früheren Militärstraßen und führen vorbei an Bollwerken, Schützengräben und Felsentunneln. Viele Festungen wurden renoviert, einige beherbergen sogar interessante Museen. Der Sentiero della Pace folgt dem Frontverlauf zwischen dem Trentino, damals Teil des Kaiserreichs Österreich-Ungarn, und dem ehemaligen Königreich Italien und verbindet den Passo del Tonale mit der Marmolada. Der Weitwanderweg erstreckt sich mit zahlreichen Auf- und Abstiegen über rund 520 Kilometer und durchquert eindrucksvolle Gletscher- und Gebirgslandschaften, erzählt von Geschichte und Kultur des Trentino und seinen Einwohnern und regt zum Nachdenken über Krieg und Frieden an. Wer den gesamten Friedensweg ablaufen möchte, benötigt mindestens vier Wochen. Es ist aber auch möglich, sich einzelne Abschnitte herauszusuchen. Der Weg besteht aus sieben Hauptteilen, die jeweils in mehreren Tagen bewältigt werden können und zieht sich ab dem Passo Tonale durch die Gletscherwelt des Adamello, durch die Judikarien bis an den Gardasee, über den Monte Altissimo weiter nach Rovereto, über den Pasubio zu dem Hochplateau Alpe Cimbra und über die Lagorai-Kette bis zur Marmolada.

 

Die Forts im Trentino

Der Friedensweg führt an rund 80 österreich-ungarischen Festungen vorbei, die heute fest in die Landschaft integriert sind und unter dem Projekt „Il Circuito dei forti“ zusammengeführt wurden und innovativ genutzt werden. Auch wenn emotionale Betrachtungsweisen überwiegen, so sind diese Festungsanlagen auch unter architektonischen oder verteidigungstechnischen Aspekten interessant. Außerdem wird nicht nur die Rolle des Trentino in diesem Krieg deutlich, sondern auch der Übergang des 19. Jahrhunderts zur Moderne mit immer stärkeren Waffen. Im Rahmen der Restaurierungen werden regelmäßig neue Anlagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu den Neuzugängen gehört neben dem vollständig in den Berg gebaute Forte Pozzacchio im Vallarsa, nur wenige Kilometer von Rovereto entfernt, auch das auf einem Hügel liegende Forte delle Benne in Levico Terme, in Valsugana. Im westlichen Trentino, im Valle del Chiese, ist das Forte Corno in der Befestigungsanlage von Lardaro öffentlich zugänglich. Die Tagliata superiore di Civezzano (Obere Straßensperre Civezzano) liegt nur wenige Kilometer von Trento entfernt und das Forte Luserna, einst Befestigungswerk des österreichischen Sperriegels, auf der Hochebene Alpe Cimbra

 

Orte, die man kennen und besuchen sollte

Passo Tonale und Val di Sole: Fünf österreichische Befestigungen sollten den Zugang zu den italienischen Truppen verriegeln. Wer gut trainiert ist, kann zum Mahnmal Punta Linke aufsteigen, das auf 3.632 Meter in der Ortler-Cevedal-Gruppe liegt und die höchstgelegene Gedenkstätte in ganz Europa ist. Da das Eis einen Großteil der Versorgungsanlagen erhalten hat, ist die Besichtigung besonders eindrucksvoll.

Val Rendena: Kurz unter dem Gipfel des Corno di Cavento befindet sich im Trentiner Teil der Adamello-Gruppe, auf 3.400 Metern Höhe, einer der höchstgelegenen Stollen, die im Ersten Weltkrieg für Kriegszwecke ausgehoben wurden. Der Stollen ist entweder ab dem Rifugio Carè Alto oder ab dem Rifugio Ai Caduti dell'Adamello zu erreichen.

Gardasee: Am nördlichen Ufer des Gardasees sind die Spuren des Ersten Weltkriegs auf dem Monte Brione und auf dem Monte Altissimo zu sehen. Im nahen Val di Gresta liegen die zwei militärischen Anlagen Nagià-Grom Monte Creino.

Rovereto: Die Stadt des Friedens liegt im Vallagarina. Zu ihren Sehenswürdigkeiten gehören das Kriegsmuseum (Museo Storico Italiano della Guerra), die Gedenkstätte Castel Dante und die große Glocke der Gefallenen (Campana dei Caduti). Die Glocke wurde aus alten Kanonen gegossen, die die am Krieg beteiligten Nationen zur Verfügung stellten. Seit Oktober 1925 ertönen jeden Abend hundert Schläge und erinnern an Soldaten und Zivilisten, die bis heute täglich in den Kriegen rund um den Erdball sterben.

Monte Zugna: Der Berg war für das italienische Heer von großer strategischer Bedeutung und der italienische Trincerone war der letzte Verteidigungswall gegen die österreichisch-ungarische Offensive, die dort am 15. Mai 1916 entbrannte.

Pasubio: Drei Jahre lang war der Berg von italienischen und österreich-ungarischen Soldaten bevölkert und Schauplatz blutiger Gefechte. Zehntausende starben bei Kampfhandlungen, an Krankheiten oder in den Lawinen. Von diesen Kämpfen zeugen noch heute zahlreiche Stollen, Kavernen und Kriegssteige, die die Soldaten beider Seiten in den Berg sprengten.

Hochebene Alpe Cimbra: Dort entstand zwischen 1908 und 1914 ein beeindruckender Festungsgürtel zu dem sieben Bollwerke gehören.

Weitere Informationen unter: www.visittrentino.info/de/guide/sehenswertes/der-grosse-krieg und www.trentinograndeguerra.it