Geheimnisvolle Wesen des Waldes

Wenn man heute in den Wäldern des Trentino spazieren geht, begegnet man, wenn man Glück hat, vielleicht einem Eichhörnchen, einem Fuchs oder sogar einem Reh. Vor vielen Jahrhunderten gab es jedoch viel seltsamere Begegnungen... So heißt es zumindest in der Legende, die die Großeltern an langen Winterabenden ihren Enkeln erzählen.

Salvan, Salvanel, Vivane und Bregostane sind nur einige der seltsamen Wesen, die die Wälder und Täler des Trentino bevölkerten, als die Winternächte nur von schwachem Kerzenlicht oder Kaminfeuer erhellt waren.

Der Legende nach war Salvan ein großer Mann mit einem langen Bart, zum Schutz vor der Kälte im Gebirge in ein dickes Fell gehüllt. Der mürrische und etwas primitive Salvan kannte alle Geheimnisse des Waldes und der Wesen, die ihn bewohnten. Er lebte in den Bergen des Val di Fassa und fand in dunklen Höhlen Zuflucht. Manchmal stieg er hinab ins Dorf, um etwas zum Essen zu erbetteln, wenn der Winterfrost die Wälder in Schnee hüllte.

Leggende delle Dolomiti: Salvan, Vivane e Bregostane

"Diese anmutigen, süßen und zarten Waldwesen lebten in der Nähe von Gewässern"

Im Gegensatz zum großen und starken Salvan war Salvanel ein kleiner, frecher Kobold. Von Kopf bis Fuß in Rot gekleidet, ärgerte er gerne die Wanderer im Wald. Er trank gern Milch und manchmal ging er zu nächtlicher Stunde in die Ställe der Hirten, um ihre ganze Milch zu stehlen. Wehe dem, der den Wald betrat, um Blumen abzureißen, Bäume zu fällen oder sogar ein Feuer zu machen, ohne aufzupassen: Salvanel war sehr eifersüchtig auf seinen Wald und bereit, es jedem heimzuzahlen, der ihn nicht achtete.

Wenn man Glück hatte, konnte man, vielleicht in der Nähe eines Baches, die schönen Vivane treffen. Diese anmutigen, süßen und zarten Waldwesen lebten in der Nähe von Gewässern. Gutmütig wie Feen, halfen die Vivane einst Wanderern, die sich im Wald verirrt hatten, oder gingen ins Dorf, um den Bewohnern bei ihrer Hausarbeit zu helfen. Als Dank ließen die Dorfbewohner eine kleine Öffnung in die Holzfenster einbauen, sodass sie ihnen auf der Fensterbank etwas Essen hinterlassen konnten. Noch heute werden diese kleinen Öffnungen, die man in den Fensterblenden der traditionellen Häuser sehen kann, „Portelle delle Vivane“ (Vivane-Türchen) genannt.

Leggende delle Dolomiti: Salvan, Vivane e Bregostane

"So heißt es zumindest in der Legende, die die Großeltern an langen Winterabenden ihren Enkeln erzählen"

Die Bregostane waren wiederum das Gegenteil der süßen, zarten Vivane: hässlich, böse und haarig. Vor vielen, vielen Jahren lebten sie in Höhlen und entführten Kinder, die den Mut hatten, allein in den Wald zu gehen. Diese kräftigen, bösartigen Kreaturen verließen, wenn sie hungrig waren, ihre Unterkünfte und griffen jeden an, der das Unglück hatte, ihnen zu begegnen. Da half nichts anderes, als sich zu Hause einzuschließen, hinter verschlossenen Türen und Fenstern. Glücklicherweise hatten diese wütenden Lebewesen eine Schwäche: die Angst vor Hunden. Deshalb gab es in jedem Dorf einen großen Hund, der es bewachte. Und sein Halsband war mit Nägeln, Haken und Klingen besetzt, sodass nicht einmal die mutigsten Bregostane es wagten, sich ihm zu nähern!

Veröffentlicht am 26/09/2019