I Recuperanti – die Berger, Danilo

Pinzolo

„Diese Uhr gehörte einem Soldaten, der im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte. Ich fand sie mit 18 auf einer Höhe von fast 3000 Metern. Sie ist eine Erinnerung an jene Zeit, auch wenn uns so etwas damals egal war. Der Zweite Weltkrieg war gerade zu Ende gegangen und wir Jungs gingen wegen des Metalls ins Adamello-Gebirge. Sie nannten uns „Recuperanti“ – Berger. Wir bereinigten die Berge von all dem, was die Truppen des Ersten Weltkriegs zurückgelassen hatten und wiederverwendet werden konnte. Heute könnte man damit Museen füllen, aber damals, als die Bergwerke noch stillstanden, erhielt man von den Gießereien in Brescia 500 Lire pro Kilo Kupfer, 120 Lire für Blei und 300 Lire für Messing, das in größeren Mengen vorhanden war. Eines Tages fanden wir 50 Kilo Patronenhülsen – ein Monatsgehalt für einen Arbeiter. Wir hatten Spaß, und wie! Es war wie eine große Schatzsuche. Wir waren jung, wir waren gut auf den Beinen, hatten viel Ausdauer und einen riesigen Berg vor uns, voller Geheimnisse, die es zu erforschen galt, und Belohnungen, die auf uns warteten.

Dolomitengeschichten: I Recuperanti – die Berger, Danilo

Der Zweite Weltkrieg war gerade zu Ende gegangen und wir Jungs gingen wegen des Metalls ins Adamello-Gebirge. Sie nannten uns „Recuperanti“

Und es war alles noch da. Die Österreicher hatten Tonnen von Kriegsmaterial, Gräben und Leichen zurückgelassen. Auch die fanden wir, halb mit Eis bedeckt. Einige Berger gesellten sich zu ihnen. Sie gingen dabei Luft, als sie auf Bomben hämmerten, um sie zu öffnen und die Kupferstreifen zu entnehmen. Aber mein Bruder und ich waren vorsichtig und verletzten uns nie. Wir mieden stets Bomben und Schrapnelle und alles andere war in Ordnung. Kanonenteile, Seilbahnräder, Patronen und Hülsen: Auf den Schultern trugen wir sie von den Bergen und Baracken im Hochgebirge ins Tal. Wir schliefen im Gebirge, um nicht zu viel Zeit zu verschwenden, und blieben auch wochenlang dort. Unser Vater kam mit einem kleinen Wagen aus dem Val Genova hoch, brachte uns Essen und fuhr mit dem Material hinunter ins Tal, wo er es dann in Pinzolo an die Gießereien verkaufte.

So ging es einige Jahre weiter. Es waren gute Jahre. Dann musste ich zum Militär – Klarinettist der Musikkapelle. Als ich zurückkam, waren die Bergwerke wieder in Betrieb, die Metallpreise gefallen und das Geschäft war nicht mehr lohnenswert. Niemand widmete sich mehr der Bergung von Material.

Also fing ich an, das Adamello-Gebirge mit meiner Kamera zu erkunden.

Autor: Alessandro Cristofoletti

Veröffentlicht am 27/09/2019