Union macht stark, Carlo, Sentiero Benini

Der Benini-Weg, Brenta-Dolomiten

„Gegen Ende der 1960er Jahre hatten mein Freund, ing. Rodolfo Benini, und ich die Idee, einen Übergang zum Bocca del Tuckett von Norden her über den Rücken von Cima Falkner zu schaffen. So wäre es möglich gewesen, vom Passo del Grostè zur Berghütte XII Apostoli zu gelangen, ohne jemals ins Tal hinabzusteigen. Wir waren immer im Brenta-Gebirge wandern, schon als wir Kinder waren. Diese Gebirgsspitzen liegen uns am Herzen. Außerdem ist meine Frau Benedetta auch die Urenkelin von Nepomuceno Bolognini, dem Garibaldi-Anhänger, der 1872 den Verein SAT (Trentiner Alpinistenverein) gründete und ein Pionier der Erkundung des Brenta-Gebirges war.

Madonna di Campiglio  - Dolomiti di Brenta - Rifugio Tuckett Quintino Sella

"die Idee, einen Übergang zum Bocca del Tuckett von Norden her über den Rücken von Cima Falkner zu schaffen"

Rudy hatte die Baufirma von seinem Vater Alfredo geerbt – nach der er später den Weg benannte – und war Flugzeugpilot. Wir machten mehrere Erkundungsflüge mit einer alten Piper-Maschine, flogen über das Gebiet und überlegten, wo der Weg verlaufen könnte. Wir starteten um 6 Uhr morgens und ließen den kleinen 70 PS starken Volkswagen-Motor auf der mittlerweile verschwundenen Gardolo-Start- und Landebahn aufbrüllen. Nachdem wir mit einem Steilflug die Wand des Paganella-Hochgebietes überquert hatten, befanden wir uns vor diesem unbeschreiblichen Schauspiel.

Wir entdeckten, dass die Felsbänder auf der Spitze Cima Falkner begehbar waren und dass nur wenige Sicherungseingriffe nötig waren. Die einzigen Schwierigkeiten, auf die wir stoßen würden, war der Abschnitt, der von der Terrasse der Cima Sella bis zum Bocca del Tuckett hinunterreicht. Rudy, meine Kinder, einige Bergführer von Primiero und Don Martino Delugan arbeiteten zusammen. Einige von ihnen verbrachten Wochen zwischen dem Cima del Grostè und dem Campanile di Vallesinella in einer Höhle biwakierend.

Dolomitengeschichten: il Sentiero Benini (der Benini-Weg)

"mit der Zusammenarbeit von Hunderten von Menschen geschaffen, die durch die gleiche Leidenschaft und ihre eigene spontane Initiative vereint waren"

Zuerst warfen wir das Material von der Piper-Maschine, aber wir erkannten bald, dass dies zwar kein Problem für die Eisenteile war, während 90 % der Zementsäcke auf den Felsen zerbröckelten. Wir wurden von Freunden und Freiwilligen der SAT-Abteilungen von Mezzocorona, Mezzolombardo, Roverè della Luna, Vigo di Ton, Pressano und San Michele all'Adige unterstützt. Alle brachten von Vallesinella aus so viel wie möglich in ihren Rucksäcken.

Zwei Saisons später, im Jahr 1972, weihten wir den Benini-Weg ein, der sofort dem SAT überlassen wurde. Für uns war es ein Sieg gewesen. Die Passagen umschlossen das gesamte Zentralmassiv, aber es war nicht nur das. Wir hatten den Weg mit der Bottom-up-Methode, auf fast vertraute Weise, mit der Zusammenarbeit von Hunderten von Menschen geschaffen, die durch die gleiche Leidenschaft und ihre eigene spontane Initiative vereint waren. Viele kleine Beiträge hatten Großes geleistet.“

Autor: Alessandro Cristofoletti

Veröffentlicht am 27/09/2019