Via delle Bocchette

Ein Klettersteig durch die ganzen Brenta-Dolomiten

Wir befinden uns in der Gruppe der Brenta-Dolomiten, die auf der ganzen Welt für ihr unverkennbares Profil bekannt ist, das die schlanken, vertikalen Türme vor dem Hintergrund des blauen Himmels bilden. Der Klettersteig Via delle Bocchette durchquert die Gebirgsgruppe von Norden nach Süden und verbindet Hütten und Täler über eine mehrtägige Route ohnegleichen. Sie verläuft zwischen Türmen, senkrechten Wänden und schmalen Pässen bzw. den sogenannten „bocche“ (Passagen), die dieser gesicherten Route ihren Namen verleihen.

Sie werden sich fragen, warum Sie sich für diesen Klettersteig entscheiden sollten. Zweifellos ist dies einer der schönsten Klettersteige im Trentino: Die zentralen Passagen sind ein Muss für Bergfans, die stets das Klettersteigset und den Helm in ihrem Rucksack dabeihaben. Der Klettersteig ist ziemlich horizontal und nutzt den natürlichen Verlauf der Bergwände, sodass man immer auf mindestens 2000 Metern ist!

Noch nicht überzeugt? Suchen Sie doch ein paar Bilder dieser Route im Internet und Sie werden sofort begeistert sein.

Was macht diesen Klettersteig so einzigartig? Wenn man mehrere Tage im Herzen der Dolomiten verbringt, ohne jemals ins Tal hinabzusteigen, taucht man in die Natur ein und gewinnt atemberaubende Einblicke in die Natur.

Aber gehen wir der Reihe nach vor und sehen wir, ob es das Richtige für Sie ist.

Dolomiten und Abenteuer: Ferrata delle Bocchette (Bocchette-Klettersteig)

"Ausgangspunkt ist ein schönes Bergdorf: Madonna di Campiglio"

Ausgangspunkt ist ein schönes Bergdorf: Madonna di Campiglio, genauer gesagt Passo del Grostè (Grostè-Pass), der mit der Seilbahn erreichbar ist. Die Straße, die hinaufführt, zwingt Sie zu kurzen Pausen, bei denen Sie sagenhafte Fotos des Brenta-Skyline machen können, das von der Straße aus gut sichtbar sind. Exakt dort, wo Sie hinschauen, werden Sie mit Ihren zwei Karabinern die Route begehen.

Vom Passo del Grostè aus wandern Sie fünf Tage oder länger durch zahlreichen Dolomiten-Felsbänder. Den Anfang bildet der Klettersteig Via ferrata Benini, ein ruhiger Beginn, der jedoch bereits einen Vorgeschmack auf die Senkrechten und die horizontalen Passagen gibt, von denen Sie viele überwinden werden. Anschließend geht es weiter auf den Bocchette Alte, den Passagen, über die Sie in das Herz der Route gelangen. Von der Hütte Rifugio Tuckett aus erreichen Sie knapp unterhalb des Gipfels Cima Brenta und auf fast 3000 Metern die Hütte Rifugio Alimonta.

Judikarien - Via Ferrata - von Mountain Sports

"stehen Sie plötzlich vor Seiner Majestät dem Campanil Basso"

Am nächsten Tag erwartet Sie der berühmteste Klettersteig: le Bocchette Centrali (die zentralen Passagen). Zwischen vertikalen Treppen und Hunderte von Metern hoch überhängenden Felsvorsprüngen stehen Sie plötzlich vor Seiner Majestät dem Campanil Basso. Dieser von Tausenden von kühnen Bergsteigern begehrte Monolith ist zum Symbol der Brenta-Dolomiten geworden. Sie werden sprachlos sein.

In der Hütte Rifugio Pedrotti angekommen, wo Sie eine wunderbare Morgendämmerung bewundern können, geht es weiter über den Klettersteig Ferrata Brentari. Dieser führt zur kleinen und charakteristischen Hütte Rifugio Agostini, deren rotes Dach man schon von weitem sieht. Von hier aus erreicht man den steilsten Klettersteig – Via Castiglioni – der über die charakteristische Bocca dei due Denti (Zwei-Zähne-Passage) zur Hütte Rifugio Dodici Apostoli (Zwölf-Apostel-Hütte ) führt.

Bocchette di Brenta - Via Ferrata - Sommerurlaub in den Bergen

"der Kletterstteig Via delle Bocchette heute eine wunderschöne Erinnerung tief in ihrem Herzen zahlreicher Menschen wird"

Müde? Vielleicht werden Sie es sein, aber sobald Sie das sehen, was Sie auf der nächsten langen Etappe erwartet, wird alle Müdigkeit vergessen sein: Vorbei an einem Gletscher, wo Sie vielleicht Gämsen aus nächster Nähe begegnen werden, geht es weiter zur Hütte Rifugio Brentei vor der imposanten Wand des Crozzon di Brenta. Auf dem gesicherten Sosat-Weg kehren Sie schließlich ins Tal zurück, voller Eindrücke und Erinnerungen an diese langen Tage reich an besonderen Momenten, im Einklang mit dem Rhythmus der Natur in den Brenta-Dolomiten.

Stellen Sie sich den Brenta-König, Bruno Detassis vor, der sich zusammen mit anderen Bergsteigern auf die Suche nach einem natürlichen Übergang wagte, um diese Berghütten zu verbinden, ohne jemals ins Tal abzusteigen. Es scheint unglaublich, wie sie es geschafft haben und wie dank ihnen der Kletterstteig Via delle Bocchette heute eine wunderschöne Erinnerung tief in ihrem Herzen zahlreicher Menschen wird. Dies ist ein Erlebnis, das selbst den ehrgeizigsten begeisterten Klettersteiggeher erfreut.

 

Autor: Linda Grossi, Bergsteiger und Wanderführerin

Veröffentlicht am 15/10/2019