Fasching im Tal

Fruchtbarkeitsfeste, die den Gaumen verwöhnen

Fasching ist ein kollektiver Versöhnungsritus. Ohne die Teilnahme der gesamten Gemeinschaft, bringt es Unglück. Während in der Stadt die Masken und Kostüme dazu dienten den Reichtum zur Schau zu stellen, wurde in den Trentiner Tälern in Alltagskleidung - manchmal maskiert, um die eigene Identität zu verhüllen - gelacht und geschrien, getanzt und Musik gemacht, die Vergangenheit, das eben verendende Jahr, im Feuer verbrannt, um dann die Asche als Fruchtbarkeitsversprechen auf den Boden zu schmeißen.

Einst dauerte das Ritual nur einen Tag, das heidnischen Fest des wahren Neujahrs der Bauern, der lang ersehnte Tag, an dem alle bis zur Sättigung schlemmten, vor einer Fastenzeit, die den Rest des Jahres dauern würde.

Faschingsrezepte

Polenta als Ritual der Zusammenkunft

Der Harlekin hat immer Hunger, aber an Fasching wird er zum König des Festes. An diesem Tag isst er sich satt, denn das Essen, das er zu verschlingen in der Lage ist, wird seinen Hunger für die kommenden Monate stillen.

In den Trentiner Tälern gibt es mindestens 3 verschiedene Riten an Prozessionen, Faschingskarren, Ausgelassenheit, Gesänge der Monate und der Harlekine, begleitet von einer lärmenden Maskerade an facère oder Hörnern, dem Sinnbild für Überfluss, oder von einem Freudenfeuer, in dem Biagio-Carnevale geopfert wird, um mögliches zukünftiges Unheil zu bannen.

Und dann verteilt jedes Tal an alle, Reiche und Arme, jede Menge Portionen Polenta, die auf dem Ortsplatz zubereitet wurde. Denn da die Polenta ein Gemeinschaftsessen ist, darf sie nicht „allein“ verzehrt werden. Polenta, zu der dann Weinkrüge gereicht werden oder die mit Lucanica-Wurst oder Mortadella serviert wird und die draußen in der Kälte des Schnees verteilt wird, um sich anschließend mit Grappa und Tänzen aufzuwärmen.

Faschingsrezepte

Bigolada und „vender sgnocolà“ (Das Fest der Bigoli und das Verteilen von Gnocchi)

Insbesondere im Valsugana ist das Austeilen von Pasta auf den Dorfplätzen eine landestypische Tradition. Angerichtet mit Butter und Käse und begleitet von literweisen Weinen. Einst leistete jeder Dorfbewohner seinen Beitrag, um das Gericht zuzubereiten, „fare el pocin“, um dann mit allen anderen das reichhaltige Mahl zu teilen.

Und dann gibt es noch die Kartoffel-Gnocchi, mit Fleischsoße oder mit Butter und Pujina (Ricotta), die sowohl in der Stadt als auch in den Dörfern als Tradition überlebt haben: am letzten Freitag der Faschingszeit kann jeder um 12 Uhr raus gehen, sich seine Portion holen und sich erneut Teil seiner Gemeinschaft fühlen.

 

Onto e bisonto soto tera sconto

Ölig und fettig, versteckt unter der Asche, unter der es gekocht wird, ist das Smacafam ein wahrer Hungerstiller. Aus weißem Mehl, Milch, Öl, frischer Lucanica-Wurst, geräuchertem Speck, Butter oder Schmalz wird eine weiche Focaccia zubereitet, die in der Lage ist, die Mägen derjenigen zum jubeln zu bringen, die das ganze Jahr über Hunger leiden und sich mit nur einer Zutat auf einmal, wenn überhaupt, zufrieden geben mussten, und sie somit von allen Hemmungen zu befreien.

Zum Trato marzo geschah es die Jugendlichen mit einem geblümten Hut auf dem Kopf nachts auf einem Hügel oberhalb des Dorfes um ein Lagerfeuer versammelten und dann lautstark die Namen von Paaren ihrer Ortschaft schrien; reelle oder auch spaßeshalber erfundene Paare, im Zeichen der Fruchtbarkeit und als gutes Omen der Fruchtbarkeit, im Namen des Fortbestandes des Lebens.

 

Grostoli und verwandtes süßes Gebäck

Nur Frittiertes kann auf diese Weise nach Fest duften. Wenn dann auch noch ein bisschen Zucker mit dabei ist, denselben, den die Kinder noch vor wenigen Jahrzehnten aus den spärlichen Speisekammern der Häuser zu stibitzen versuchten, ist Euphorie vorprogrammiert.

Im Schmalz des frisch geschlachteten Schweins oder in Butter, bevor diese dosiert wurde, wurde ein Teig aus Mehl, Eiern und, wenn möglich, Nüssen frittiert. 

Im Val di Fassa gibt es den Grafon einen Donut aus aufgegangenem weißen Mehl, ziemlich dick in rechteckiger Form ausgestochen und dann in Butter frittiert; und die Casunzei, die es heute auch gesalzen gibt, und die mit getrockneten Birnen gefüllt wurden. Und außerdem die Süßspeisen Crofeni, Straboi und Fortaie mit Konfitüre.

Selbstverständlich besitzt auch das Trentino seine Grostoli, die ausschließlich mit Bauern-Grappa gewürzt werden, und seine Krapfen mit Rosinen!

Denn an Fasching ist jede Völlerei erlaubt... um sich mit Lächeln und guter Laune einzudecken!

Veröffentlicht am 03/01/2024