Legno | Lën |Holz

Ein Weg zur zeitgenössischen Skulptur

Mitten in den Dolomiten, in einem Gebiet, das drei italienische Regionen berührt, arbeitet eine Gruppe moderner Künstler mit Holz. Die ladinischen Meister, die bei Kritikern und Sammlern sehr beliebt sind, kommen in die Galleria Civica in Trient. Ab dem 2. Juni.

Die Galleria Civica in Trient, die seit über drei Jahren dem MART in Trient und Rovereto angehört, ist das erste italienische Museum, das der zeitgenössischen Holzskulptur eine Ausstellung widmet: Legno | Lën | Holz, kuratiert von Gabriele Lorenzoni, zeigt vom 2. Juni bis 17. September Werke von fünfzehn Künstlern, die mehreren Generationen angehören, aber alle noch leben und aus der Grödner Schule stammen.
Das ladinische Gebiet (Ladinien) ist nicht von Verwaltungsgrenzen, sondern nur von natürlichen Grenzen definiert: eine Kulturregion aus mehreren Tälern, die zu Südtirol, Trient und Venetien gehören, in denen die antike rätoromanische Sprache zum Träger der Gemeinsamkeit und zum Identitätsvermittler wird.

In der Anerkennung der soziokulturellen Besonderheiten dieses besonderen Gebiets wird die Ausstellung von einem dreisprachigen Katalog auf Italienisch, Deutsch und Ladinisch begleitet, der in Kürze erscheint.

Partner des MART für die Ausstellung Legno | Lën | Holz sind das Museum Ladin Ćiastel de Tor in St. Martin in Thurn und die Galerie Doris Ghetta in St. Ulrich in Gröden.

Die jahrhundertealte Tradition der Holzskulptur zieht sich, wenn auch nicht ganz regelmäßig, durch die ganze Kunstgeschichte. Höhepunkte erreichte sie im Mittelalter – man denke nur an die berühmten romanischen Holzmadonnen – und im Barock mit seinen prächtigen polychromen Altären.

In den Dolomitentälern,in denen der Rohstoff dafür reichlich vorhanden ist und die Menschen eng mit der lokalen Geschichte verbunden sind, hat diese künstlerische Praxis überlebt und sich erneuert, indem sie sich die kulturellen und wirtschaftlichen Besonderheiten zu eigen machte. Hier erlebte sie in den letzten dreißig Jahren eine unerwartete Entwicklung und fand neue Ausdruckswege für die ästhetische, thematische und formale Suche. Nach Jahrhunderten einer kontinuierlichen Geschichte – neben dem Kunsthandwerk mit Krippenfiguren und volkstümlichen Objekten – tritt die Holzskulptur mit vollem Recht in die zeitgenössische Kunst ein; diese Nischenform ist durchaus maßgeblich und vermag steigendes Interesse und Aufmerksamkeit bei der Kritik, bei Museen und Sammlern sowohl im öffentlichen wie auch privaten Bereich zu erregen.

Durch Qualität und Quantität ihrer Produktion ist die Grödner Schnitzschule heute beispiellos in Europa und nimmt eine unabhängige, ganz eigene Position in der internationalen Kunstszene ein.

Ab 2. Juni 2017 zeigt die Galleria Civica in Trient eine Auswahl von Werken aus jüngeren Jahren von einigen bedeutenden Künstlern, die in diesem geografisch-kulturellen Gebiet arbeiten: Livio Conta, Giorgio Conta, Fabiano de Martin Topranin, Aron Demetz, Gehard Demetz, Peter Demetz, Arnold Holzknecht, Walter Moroder, Hermann Josef Runggaldier, Andreas Senoner, Peter Senoner, Matthias Sieff, Adolf Vallazza, Willy Verginer und Bruno Walpoth.

Diese Holzschnitzer haben eine Technik, die von Generation zu Generation überliefert worden war, zu einem geeigneten Medium gemacht, um sich mit den aktuelleren Kunstsprachen auseinanderzusetzen. Sie haben die traditionelle Ikonographie überwunden und bearbeiten eigenständige, freie Kosmogonien.

Legno | Lën | Holz ist eine originelle Ausstellung, die den Besucher auf einen Weg mitnimmt, der von den Museen moderner Kunst noch nicht beschritten wurde.

Der Kurator folgt dem strengen Kriterium der manuellen Holzschnitztechnik und konzentriert sich auf die Darstellung des menschlichen Körpers in realer Größe. Thema der Ausstellung ist also die Recherche über den Körper, die in der Städtischen Galerie mit rund 40 Skulpturen und Installationen gezeigt wird, deren Volumen sich für einen musealen Rahmen anbieten. Ein Viertel der Arbeiten ist bisher unveröffentlicht: Mehrere Werke wurden eigens für die Ausstellung geschaffen oder waren bisher jedenfalls nie zu sehen.

Der Schwerpunkt der figürlichen Darstellung unterstreicht die Nähe zu einer Tradition, von der man sich gleichzeitig entfernt: Große technische Meisterschaft auf der einen Seite steht neben einer unerwarteten Annäherung an heutige Ausdruckssprachen und Gefühle.

Dieser Weg betont die Unterschiede, anstatt sie zu verbergen, und zeigt anerkannte Meister neben jüngeren Interpreten, wobei alle fünfzehn Künstler sich auf absolut persönliche Weise mit dem Thema auseinandersetzen. Auf der Basis einer unbestreitbaren Fertigkeit, die allen gemeinsam ist, wagen sich einige an die psychologische Analyse der darstellten Figuren, andere wählen klare Ironie oder surreales Vergnügen. Dramatische oder geistvolle Darstellungen, realistische Porträts, verfremdete Körper, Göttertotems, Männer, Frauen und Kinder – die Werke in der Ausstellung bilden eine vielfältige Menschheit.

Die aus dem Holz geschnitzten Gesichter und Körper beschäftigen sich mit den Themen des Doppelgängers, der Alterität und der Selbstdarstellung. Die Parallelität zwischen den bildhauerischen Volumen im Maßstab 1:1, die die Räume der Galerie einnehmen, und dem Körper der Betrachter, die sich zwischen ihnen bewegen, bildet eine reizvolle Suggestion. Die minimalistische Ausstattung vom Atelier Weber+Winterle in Trient unterstreicht diesen Dualismus durch ein Spiel mit reflektierenden Flächen, die die Perspektiven multiplizieren.

Als erste Ausstellung in Italien, die sich der figürlichen Holzskulptur in der modernen Kunst widmet, stellt Legno | Lën | Holz Fragen zu Genre und Praxis der figürlichen Darstellung, erkundet den antiken, traditionellen Charakter der Identität in der Geschichte der westlichen Kunst sowie die Probleme Werden, Wandel, das Heute.

Wie alles, was auf den Prozess der Mimesis verweist, zeigt sie als unerlässliches Element der Überlegungen die Frage nach dem Blick des Betrachters in seiner relationalen, selbstreinigenden und mythenbildenden Bedeutung

Quelle: www.mart.trento.it



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