Die Stille des Wassers

Die Stille des Wassers

Zwei Slow-Wander-Tage im Val di Non, durch Wälder und an alten Waalen entlang

Das friedliche Tal im Westlichen Trentino gemächlich entdecken

  • 2 Tage
  • März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November
  • Natur Pur, Kurzurlaub, Gastronomie und Weine erleben

Im Trentino handelt die Geschichte vom Wasser und dem Menschen von Anpassung, Zähmung, beidseitigem Glück und Zusammenleben. Wildes Wasser, das steil bis senkrecht nach unten stürzt, Quellwasser, das aus den Felsen sprudelt, sich ausdehnt und durch die Schwerkraft Schwung und Stärke erhält. Wasser, das sich, Tropfen für Tropfen, langsam und beständig seine Wege durchs Gestein gefressen hat, im gleichmäßigen Rhythmus und ohne Eile, ein Ziel zu erreichen oder zu einem Ende zu finden.

Im Val di Non handelt die Geschichte vom Wasser und dem Menschen von einer umgeformten Landschaft und gewandelten Identität. Und von einem seinerzeit in Europa einzigartigen Bauwerk: dem Staudamm von Santa Giustina, mit dem der Wildbach Noce gestaut wurde, um Norditalien mit Strom zu versorgen, als dieser noch rar war und viel davon für den Wiederaufbau des Landes benötigt wurde. Wasser, das die Höfe und ihre Weiden für immer überflutet und die ganze Tallandschaft geprägt hat.

Und es gibt noch eine andere, einzigartige Wasser-Geschichte im Val di Non, nämlich die der hier Lezi oder Lez genannten Waale. Bewässerungskanäle, die zum Teil schon vor 200 Jahren von Menschenhand in die felsigen Hänge gegraben wurden, um das Bergwasser zu den Feldern zu leiten. 

Neun dieser Lezi wurden wieder hergerichtet und sicher gemacht. Jeder von ihnen hat etwas zu erzählen. Und zwei davon haben wir ausgewählt zum Slow-Wandern: sie können in aller Ruhe entdeckt werden an einem gemütlichen Wochenende, in gemächlichem Tempo, allein oder in Gesellschaft, zumal die Wege für jedermann geeignet sind, unabhängig von Alter und Training. 

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Tag 1: Lez di Rumo - 10 km

lez rumo

Die erste Etappe unserer kleinen Tour führt hinauf ins obere Val di Non, oberhalb des Dorfes Rumo. Nachdem man das Auto im Ortsteil Lanza geparkt hat, nimmt man vom Dorfplatz aus die Asphaltstraße zum Maso Stasal. Kurz dahinter kommt man an eine Gabelung, wo an einem Holzkreuz bzw. Bildstock der Giro del Lez ausgeschildert ist. 

Nach dem ersten Abschnitt auf der kurzen, ansteigenden Asphaltstraße verläuft der Weg eben durch einen Wald, der sich im Wandel der Jahreszeit in prächtig bunten Farben zeigt. Weiter geht es in einem sanften Auf und Ab über die Bergwiesen, mit Blick auf die grünen Gipfel der Maddalene-Kette (Ilmenkamm). In der Nähe von Corte Inferiore lohnt sich ein Zwischenstopp, um die Fresken der fast tausend Jahre alten Kirche San Udalrico zu besichtigen. Der Rückweg erfolgt auf derselben Strecke.

Unterwegs bietet sich an, auf den Wiesen, an Picknickplätzen oder im kühleren Wald eine Rast einzulegen, um diese regenerierende Tour und den schönen Blick auf das gesamte Tal voll auszukosten. Und wenn man zu Mittag einkehren möchte, kann man sich in den örtlichen Agriturismo-Höfen typische Gerichte der Region schmecken lassen.

Den Nachmittag sollte man dann für weitere Erlebnisse in der Umgebung von Rumo nutzen. Unsere Tipps: eine Führung durch den geologischen Park bei Marcena, auf dem Sentiero delle Miniere, dem Minen-Pfad durch das Gebiet der ehemaligen Silberbergwerke. „Il lavoro, le fate, le streghe“ (Arbeit, Feen, Hexen) heißt ein anderer Themenweg, der durch die Wälder, Apfelplantagen und „geleckten“ Wiesen rund um das Örtchen Preghena führt.

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Tag 2: Lez Viale dei Sogni bei Coredo – 6 km

Lago di Coredo autunno

Schon der Name des Wegs, den wir für unsere zweite Wanderung vorschlagen, ist vielversprechend: Lez Viale dei Sogni bedeutet soviel wie Traumstraße, und in der Tat verspricht dieser Waalweg eine traumhafte Wanderung durch eine magische Natur, die in fast unwirklichen Farben erstrahlt, vom Violett des Heidekrauts bis zum flammend bunten Herbstlaub. 

Ausgangspunkt ist das zur Gemeinde Predaia gehörende Dörfchen Coredo. Ab hier nimmt man den Weg mit der Markierung SAT 537, um dem gesamten Lauf des Waals bzw. Lez zu folgen. Die Strecke ist eben und ideal, um gemächlich angegangen zu werden, auch weil es unterwegs die Holzskulpturen zu bewundern gibt, die das Internationale Kunstsymposium Predaia Arte & Natura jedes Jahr bei ausgewählten Künstlern in Auftrag gibt. 

Ziel und Höhepunkt des Hinwegs ist ein ausgedehnter Spielplatz an den beiden Seen Lago di Coredo und Lago di Tavon. Perfekt für eine verdiente Rast.

Bevor man den Rückweg antritt, kann man einen etwa halbstündigen Abstecher zur Wallfahrtskirche San Romedio machen. Dazu geht man zunächst am linken Ufer des Lago di Tavon entlang, bis zu einer Gabelung mit einem Feldweg, wo an einem Holzkreuz das Santuario di San Romedio - Cammino Jacopo d'Anaunia ausgeschildert ist. 

Zurück folgt man ab der Wallfahrtskirche dem Wegweiser Due Laghi, wobei der Weg durch den Wald jetzt bergauf führt.