Von den Harzern bis zu den Suchern von Kriegsschrott - Ein Streifzug durch die alten Handwerkszweige des Val di Sole

  • 3 Tage
  • Juni, Juli, August
  • Kunst und Kultur, Großer Kieg

Die von uns vorgeschlagene Route führt durch die rauesten und unberührtesten Landschaften des Tales.

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Erster Tag - 9 Uhr - Das Val Meledrio

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Die von uns vorgeschlagene Route führt durch die rauesten und unberührtesten Gegenden des Tales. Von Dimaro (772 m), dem Ausgangspunkt, wird bis zur ersten Kehre der nach Madonna di Campiglio führenden Staatsstraße 239 gegangen. Dort zweigt ein Waldweg ab, der am Wildbach Meledrio entlangführt. Bevor wir Ihnen nun einige Zwischenrasten auf der Route empfehlen, entspannen Sie sich, tauchen Sie in die Natur ein, erfreuen Sie sich am Murmeln des Wassers und an der puren Frische der Gegend, die Sie auf Ihrer Wanderung im Adamello-Brenta-Naturpark umgeben wird.

Die erste Sehenswürdigkeit befindet sich kurz nach der Taleinmündung. Ein durch Wasserkraft angetriebenes Gesenk erinnert uns an die antike schmiedeeiserne Handwerkskunst. Die vor 2 Jahren erfolgten Wiederinstandsetzungsarbeiten hatten als Ziel, uns wieder daran zu erinnern, wie in den vergangenen Jahrhunderten die Kräfte der Natur als Energiequellen genutzt wurden, um damit Maschinen anzutreiben, die zur Verarbeitung der Rohstoffe erforderlich waren.
Stets diesem Waldweg folgend, gelangen Sie zu einem alten Kalkofen, der im Bergland sicherlich keine Seltenheit ist. Er ist ein stummer Zeuge, der von einem der ältesten Handwerkszweige der damals hier ansässigen Bevölkerung berichtet: Mit ihm wurde Branntkalk hergestellt, aus dem in der Natur dieser Gegend vorhandenen Kalkstein.

Nicht genug damit ... Mit dem Aufstieg durch den Lärchenwald, der die Hänge von Dosso di Santa Brigida (1353 m ü.d.M.) bedeckt, gelangt man zu einer im 14. Jh. errichteten Herberge, von der interessante archäologische Funde zutage kamen (ausgestellt in der gegenüberliegenden Malga/Alm del Doss). Nach so viel körperlicher Anstrengung empfehlen wir Ihnen eine wohltuende, natürliche Erfrischung: Auf der rechten orographischen Seite des Berges wird wegen einer engen Felsschlucht aus dem Wildbach Meledrio ein imposanter Wasserfall. Den Wasserfall - del Pison - sollte man sowohl von oben, auf einer typischen, erst kürzlich gebauten Lärchenholzbrücke bewundern, als auch von unten. Dorthin gelangt man auf einem gut ausgeschilderten kurzen Pfad.

Wieder auf den Waldweg vom Ausgangspunkt zurückgekehrt, besteht die Möglichkeit, einen kurzen Lehrpfad zu absolvieren - illustriert und als Percorso della Trementina - Terpentinpfad ausgeschildert -, der auf eine Beschäftigung hinweist, die im Laufe der Jahre komplett verlorenging, nämlich das Sammeln von Baumharz. : Hier rückt die Arbeit der Harzer - im Dialekt als „largaioi" bezeichnet - in den Mittelpunkt, die von März bis Oktober ihr Brot durch das Sammeln von Harz verdienten, meist mit dem besonders puren Harz von Lärchenholz. Aus dem Rohharz gewann man mit destillierenden Arbeitsmethoden das Terpentin, das als Verdünner von Lacken und als Balsam für die Atemwege verwendet wird.

 

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Erster Tag - 14 Uhr - Malè

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Von Dimaro geht es am Fluss Noce entlang in Richtung Malè (737 m ü.d.M.), dem Administrations- und Handelszentrum des Tales. Uns erwartet ein modernes Ortsbild, gekennzeichnet durch zahlreiche Plätze, die Zeugnis über die Jahrhunderte währende Aktivität als Handels- und Administrationszentrum ablegen.
Einige archäologische Funde - z. B. eine Gedenktafel aus dem 2. Jh. n. Chr. - verweisen auf die römische Präsenz.
Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die Pfarrkirche dell'Assunta - Mariä Himmelfahrt, mitten in der historischen Ortsmitte, rekonstruiert gegen Ende des 15. Jh. und 1531 durch ein Renaissance-Säulenportal verschönert. Von der ursprünglichen romanischen Kirche blieben nur der mächtig anmutende Glockenturm mit ein- und zweibogigen Fensteröffnungen sowie eine Steinskulptur, die eine segnende Christusfigur darstellt, erhalten. Das Kircheninnere ist in drei Kirchenschiffe mit Kreuzgewölben unterteilt und bietet zwei wunderschönen Holzaltären aus dem 17. Jh. Platz, mit Gemälden von Polacco (1614) und von Camillo Procaccini sowie zwei Marmorwerken aus dem Jahr 1723. Neben der Kirche steht die San Valentino Kapelle, mit einer Loggia aus dem 15. Jh. und Fresken von Casarini (1938).

In der Nähe der Ortsmitte befindet sich in den Räumen einer ehemaligen österreichischen Kaserne, im Erdgeschoss, das Volkskundemuseum des Val di Sole. Es zählt sicher zu den bestgestalteten Heimatmuseen in unseren Breitengraden. Geräte und Werkzeuge sind nach Themen in Abteilungen angeordnet: die Lebensunterhaltsquellen (Landwirtschaft, Milchverarbeitung, Holz); das Handwerk (Tischler, Schmied, Kupferschmied, Schuster); die Webarbeit und die Spinnerei. Ganz besondere Aufmerksamkeit galt der Rekonstruktion zweier Räume eines Hauses im Val di Sole: Küche und Schlafzimmer (Dialekt: la stua). Ferner ist die Eingangshalle des Museums dem berühmten, damals im Val di Sole lebenden Mykologen Don Giacomo Bresadola (1847-1929) gewidmet, und zwar mit der Ausstellung von Originalzeichnungen, Schriftverkehr, Artikeln aus Zeitungen und Zeitschriften, unter ihnen die Originalausgabe seines wichtigsten Werkes, der „Iconographia Mycologica" (eine umfangreiche Abhandlung über Pilze), die in Mailand zwischen 1927 und 1933 gedruckt wurde und aus 26 Bänden bestand.

Von der Ortschaft Malè wird der Weg in Richtung Val di Rabbi fortgesetzt. Etwa 500 m vom Volkskundemuseum des Val di Sole, lohnt sich im Ortsteil Pondasio der Besuch der Schmiede Marinelli. Sie ist eine der wenigen Exemplare im Alpenraum, die, durch Wasserkraft angetrieben, noch perfekt funktionieren. Sie stammt in etwa aus dem Jahr 1600 und war, zusammen mit anderen Schmieden und Mühlen, Bestandteil der vorindustriellen Handwerkszone von Pondasio, die das Wasser des Wildbachs Rabbies nutzte. Die Schmiede Marinelli bewahrt einen tausendjährigen Schatz an technischem Wissen und menschlicher Erfahrungen. Sie ist die letzte Hüterin der Geheimnisse des Schmiedehandwerks: Amboss, Gesenk, doppelte Schmiede, Schleifstein. 

 

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Zweiter Tag - 9 Uhr - Val di Rabbi

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Das Val di Rabbi, ein Seitental vom Val di Sole, dessen unkomplizierte Einmündung sich bei Malè befindet, liegt mit seiner Länge von 19 km und seiner eindeutig erkennbaren V-Form eingebettet zwischen den Bergen. Das Tal behielt sein raues Aussehen aus früheren Zeiten bei. Es gehört zum Stilfserjoch-Nationalpark, dem größten und wohl ältesten italienischen Naturschutzpark und dem ausgedehntesten im ganzen Alpenraum.

Das Val di Rabbi zählt zu den charakteristischsten Gegenden der Provinz Trento. Dies trifft sowohl auf die Naturlandschaft als auch auf den komplett einheitlichen Beitrag des Menschen zu. Die Talflanken zeigen sich rau, von Nadelwäldern, die die Ortschaften „umzüngeln", bedeckt und mit einem fantastischen Reichtum an fließenden Gewässern. Die historischen Siedlungen sind Pracorno, San Bernardo und Piazzola. Dazu gesellen sich eine Myriade von Weilern, die Behüter einer besonders originellen „Landschaftsgestaltung": Hunderte von Masi (kleine Häuser aus Stein und Holz gebaut, mit Dächern aus Lärchenholzschindeln, die nicht nur als Wohnbedarf verwendet wurden) sind über die Wiesen verteilt und vermitteln bildlich die Idee einer Kultur, in der Lage, Funktion mit Ästhetik zu verbinden. Das Maso, ein kleines landwirtschaftliches Gebäude, besteht normalerweise aus einem Stall im Souterrain und aus einem Heuschober in den oberen Stockwerken, und war fast ausschließlich während der Zeit der Sommerweide, d. h. von Mai bis September, bewohnt. Diese Masi sind alle eine Art Freilichtmuseum, fast wie durch Zauberhand eingefügt in eine Umgebung aus längst vergangenen Zeiten.
Jeder Winkel birgt ungeahnte pittoreske Ansichten, und deshalb kann man einige davon auch bei der Fahrt mit dem Auto durch das Tal bewundern.

Einer der Vorzüge des Val di Rabbi ist sicherlich der Wasserreichtum des Tales: Berühmt ist das Bikarbonat-alkalische, eisenhaltige Mineralwasser mit seinem hohen Kohleanteil und natürlicher Kohlensäure, was es zur Triebfeder des Bäderwesens macht, das sich hier antiker Wurzeln rühmt. Seine Heilwirkungen waren schon im Jahre 1650 bekannt und im Laufe der Jahrhunderte weilten zahlreiche Persönlichkeiten (vor allem die Herrscher der Donaumonarchie) mit Vorliebe hier zur Kur. Deshalb empfehlen wir auch Ihnen zur kompletten Entspannung die Thermen von Rabbi.

Im Val di Rabbi war die Landwirtschaft eine der Haupteinkommensquellen. Folglich lohnt sich der Besuch in der Mühle Ruatti in Pracorno. Das Gebäude wurde in ein Museum umstrukturiert, in dem man Näheres über das Leben eines Müllers im Val di Rabbi erfährt. Die ersten historischen Aufzeichnungen gehen auf das 13. Jh. zurück, als diese Strukturen wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung zum Urbar-Bestandteil des Fürstbischofs erklärt wurden. Hier war der Müller noch im vergangenen Jahrhundert aktiv und nun bleibt die Erinnerung. Das Rekonstruktionsprojekt basierte im Wesentlichen auf der gänzlichen Wiederinstandsetzung des Gebäudes. Dabei galt besonderes Augenmerk der technischen und produktiven Ausstattung.

Der Stilfserjoch-Nationalpark hält im Val di Rabbi noch einige andere, beispielhafte Wiederinstandsetzungen bereit, u. a.:
- das Sägewerk „dei Braghje", auf der rechten orographischen Seite des Wildbachs Rabbiés, in der Ortschaft Rabbi Fonti, nur ein paar Schritte vom ehemaligen Thermalbad.
- das Sägewerk „dei Bègoi", am Talschluss, am Rand des flachen Wiesengeländes, in Plan.
Beide Sägewerke werden noch zu Vorführungszwecken durch das Parkpersonal zum Holzschneiden in Betrieb gesetzt und die dadurch gewonnen Bretter für Instandhaltungsarbeiten verwendet.

Informationen über Führungen erteilt das Nationalparkbüro:
Tel. 0463/985190; www.stelviopark.it

 

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Dritter Tag

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10 UHR Tonalepass
Eine weitere Etappe in der am höchsten gelegenen Ortschaft des Val di Sole (1884 m ü.d.M.). Der Tonalepass ist der älteste Ortsname des Val di Sole: Die ersten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 774, dank einer Urkunde von Karl dem Großen, mit der er das Val Camonica bis zur Grenze der „vocatur Thonale" übertrug. Der Ortsname wurde vermutlich von „Giove Tonante" abgeleitet, d. h. er bezeichnet eine dem Donnergott Jupiter geweihte Stätte, dank der formidablen Gewitter, die sich hier, vor allem im Sommer, entladen. Auf dem Pass befindet sich eine antike, erstmals 1127 erwähnte, heute ihrem Schicksal überlassene Herberge, und daran angrenzend die San-Bartolomeo-Kapelle. Die Weiden vom Tonalepass dienten über Jahrhunderte für die Wanderweidewirtschaft der Hirten sowohl aus dem Val di Sole als auch aus dem Val Camonica. Er zählte schon in der Antike zu den populärsten Passübergängen.

Die umliegenden Berge waren Schauplatz der Kämpfe während des Ersten Weltkrieges: Ein in ein Beinhaus umgewandeltes Kriegsdenkmal ist heute für über 800 italienische und österreichisch-ungarische Kriegsgefallene, kurz vor der Passhöhe, die letzte Ruhestätte.
Seit dem vergangenen Sommer ist für Besucher der Himmelreichstollen „Galleria Paradiso" am gleichnamigen Pass zugänglich (mit der Seilbahn bequem erreichbar). Er lag an jener Grenzlinie, die vom österreichisch-ungarischen und vom italienischen Heer in den langen Jahren des Krieges so heiß umkämpft war. Der in den Kriegsjahren in den Granit gegrabene Stollen diente den dem Eis, den Schneestürmen und den Angriffen der feindlichen Artillerie ausgesetzten Soldaten als notdürftiger Unterschlupf. Nun bietet er der multimedialen Ausstellung „Suoni e voci della Guerra Bianca - Klänge und Stimmen des Weißen Kriegs" Platz, und zwar mit Kriegsresten und zusammenfassenden Informationen über die militärischen Geschehnisse und die Lebensbedingungen der Soldaten an der Gletscherfront. Die Ausstellung wird durch eine Klanginstallation vervollständigt, die ein beeindruckendes musikalisches Thema mit den Klängen und den Stimmen des Krieges verschmelzen lässt, nach dem diese Ausstellung benannt ist. Bruchstückhaft und gedämpft vernimmt man die Laute, die von den im Stollen versteckten Soldaten vermutlich wahrgenommen wurden: Echos von Kämpfen und Explosionen, das Klagen von Verletzten, Stimmen von Flüchtenden, aber auch freudige Augenblicke und Kameradschaft zwischen den Soldaten.
Stets auf dem Passo Paradiso - Himmelreichpass haben Sie die Möglichkeit zur Einkehr ins Restaurant Passo Paradiso (für Infos: 0463/890345), gleich bei der Bergstation der Seilbahn. Das atemberaubende Panorama (auf den Presena-Gletscher und auf die gegenüberliegende Hangseite der Ortles-Cevedale-Gruppe) wird Ihr typisches Mittagessen krönen.



14 UHR Forte Strino
7 km vom Tonalepass, in Richtung Val di Sole, erhebt sich über der Straße das Forte/Werk Strino, ein ehemaliges Sperrwerk zwischen Italien und Österreich. In seinen Räumen birgt es Exponate aus dem Großen Krieg, die aus Privatsammlungen stammen (Uniformen, Waffen, Tarnkleidung der Skiläufer aus dem Alpini-Korps). Dabei spielt die Figur des Kriegsschrottsammlers eine maßgebliche Rolle, d. h. all diejenigen, die Kriegsreste aus Eisen, Kupfer und Messing bargen, um sie dann weiter zu veräußern. Dabei handelte es sich um eine alternative Einkommensquelle in den damals so harten Zeiten.
Im Sommer finden im Werk zahlreiche Initiativen statt: Kunstausstellungen, Theateraufführungen und Spektakel zum Thema Krieg. Auf Wunsch besteht die Möglichkeit zur Organisation von Führungen im Werk und zu den anderen österreichisch-ungarischen Werken im Gebiet des Tonale (Forte Zaccarana - Werk Tonale, Forte - Werk Mero, Forte Pozzi Alti - Werk Presanella).