In den Dolomiten, zu füssen der Königin: wollen sie die Marmolata kennenlernen?

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Ehre der Königin! Es ist die Marmolata, der fantastische Kalkberg, der mit seinem großen Gletscher der höchste Berg der Dolomiten ist. Rundherum, als Kulisse, die Berge der Dolomiten Sella, Plattkofel und Langkofel, sowie Pelmo, Civetta und die Tofane. Dank dem Karbonat-, Vulkan und Mineralstein können Sie die Königin der Dolomiten mit einem besonderen Blick betrachten und den geologischen Geschichten zuhören, die nur an diesem Ort erzählt werden können.


Route
• Aufbruch am Staudamm des Fedaia-Sees, nahe der Aufstiegsanlagen zum Pian dei Fiacconi.
• Vom Rifugio Ghiacciaio Marmolada aus, das nur 10 Minuten oberhalb der Bergstation der Aufstiegsanlage entfernt ist, folgen Sie dem Weg und den Steinmännchen in Richtung der Gletscherfront.
• Auf dem selben Weg geht es zurück zum Rifugio Ghiacciaio Marmolada. Hier, ohne die Aufstiegsanlage des Hinwegs zu nutzen, bleiben Sie auf dem Wanderweg 606, um zum Fedaia-Stausee zurückzukehren.

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Der Fedaia-Talkessel

Der Fedaia-Stausee befindet sich am Ende des Val di Fassa, in einer Höhe von 2053 Metern. Der See besitzt eine Oberfläche von 625.000 m2, ein Volumen von 16 Millionen m3 und liegt zu Füßen der Nordhänge der Marmolata. Eine 56 Meter hohe Gewichtsstaumauer, die 1955 von ENEL (größter it. Stromversorger) erbaut worden ist, staut das Wasser. Gespeist wird der See teilweise durch die Quellen des Avisio, durch den Hauptgletscher der Marmolata und außerdem, mittels Pumpen, durch den Wildbach Ombretta. Der große Wasserspeicher dient der Anlagen Cordevole als Regulator.
Östlich neben dem Fedaia-Stausee liegt der kleine See Santa Maria di Fedaia, Quelle des Flusses Avisio. Seine Entstehung geht auf eine Moränensperre zurück. Die Ufer sind gut zugänglich, flach abfallend und überwiegend grasbewachsen, gespickt mit erdrutschbedingten Felsbrocken. Der See wird vom Schmelzwasser des Winterschnees, dem Hauptgletscher der Marmolata und den nicht immer wasserführenden Bächen, die den südlichen Hang des Padon hinabfließen, gespeist.

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Die Erste war nicht die letzte

In einer Höhe von 2.486 m, auf einem Felshügel, befindet sich der Col de Bous. Während dem Ersten Weltkriegs haben österreichische Soldaten, zu Füßen der Westseite des Hügels, eine große natürliche Höhle entdeckt und mittels des Baus von Baracken, in einen großen und sicheren Unterschlupf umgewandelt. Dort startete auch ein militärischer Klettersteig, der zu einer nördlich gelegenen Terrasse mit Beobachtungsposten führte.
Nahe dem Sattel, aus dem Süden, kam die zweite Sektion der Schwebebahn, mit Ausgangspunkt in Pian Trevisan, dem wichtigsten Knotenpunkt der östereichischen Verstärkung und Versorgung an der Front der Marmolata. In Col de Bous ging die dritte Sektion ab, zum Westhang des Sass da le Doudesc und der Città di Ghiaccio (dt. Eisstadt), ein komplexes, in den Gletscher der Marmolata gegrabenes Netzwerk an Stollen und Tunneln. Im Gletscher zu leben bedeutete sich vor Kälte, Lawinen und dem „feindlichen" Artilleriefeuer schützen zu können.
Im südlichen Teil des Sattels befindet sich die Ruine einer alten Schutzhütte, die nach dem Krieg erbaut worden ist, um die österreichischen Militärkonstruktionen zu ersetzen. In den 30ger Jahren wurde sie durch einen Brand zerstört.

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Der Gletscher der mal war

Die Marmolata ist ein Kalksteinbergmassiv, das von den Geologen „Calcare della Marmolada", Marmolata-Kalk, genannt wird. Die Schichten erscheinen hier als flache, nach Norden in Richtung des Fedaia-Stausees geneigte Böschung. Das Bestehen dieser Morphologie hat die Entstehung des größten Gletschers der Dolomiten ermöglicht.
Heute weist der Hauptgletscher der Marmolata eine Trapezform auf, mit der längeren Seite unten und einer Oberfläche von 1,6 km2. Zwei imposante Felskämme, der Sasso delle Undici im Osten und der Sasso delle Dodici im Westen, teilen den Gletscher in drei verschiedene Gletscherzungen: die östliche, auch Serauta genannt, die zentrale und die westliche. Diese Unterscheidung der Front, in Gletscherzungen, ist heute aufgrund des Gletscherrückzugs nicht mehr augenfällig.
Aktuell befindet sich die tiefste Stelle der Zentralfront in einer Höhe von etwa 2.700 m. Die Stirnmoränen der Kleinen Eiszeit, die der Gletscher 1850, am Ende seines letzten wichtigen Vorstoßes geformt hat, sind 500 m weiter unten auszumachen. Diese Daten verdeutlichen das Ausmaß des Rückzugs der letzten 150 Jahren, der in 500 m Höhenunterschied und etwa 1 km auf der horizontalen Ebene quantifiziert werden kann.

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Gletscherforscher sein

Der Gletscher hinterlässt Spuren seines Durchgangs. An mehreren Stellen kann man glatt geschliffene Felsoberflächen beobachten - eines der typischsten Anzeichen für den Durchzug eines Gletschers. Diese Buckel, oft dem Profil eines Wals ähnlich, werden Rundhöcker genannt. Sie verdanken ihre Entstehung der Abriebwirkung des in der Gletscherbasis eingeschlossenen Schutts, welcher mit Druck über den darunterliegenden Fels schliff und diesen dadurch glättete. Die Ausrichtung der in den Fels geschliffenen Schrammen zeigt die Strömungsrichtung des Gletschers an. Auf den Rundhöckern sind die karstigen Erosionphänomene deutlich zu erkennen. Auf diesen Rundhöckern kann man seltsame, mit roter Farbe gezeichnete Dreiecke erkennen. Dabei handelt es sich um Messpunkte der Gletscherforscher, die mit einem Bandmass jedes Jahr die Entfernung zwischen diesem Punkt und der Gletscherfront messen. Die ersten Messungen wurden in den 50ger Jahren von den Enel-Arbeitern vorgenommen, die am Verhalten des Gletschers, dessen Schmelzwasser den Fedaia-Stausee füllten, interessiert waren.

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Die Haut des Gletschers

Einer Legende nach soll sich eine alte Bäuerin darauf versteift haben, am Tag der Schutzpatronin von Canazei, der Madonna della Neve (1. August), zu arbeiten und hat gegen den Rat ihrer Mitbürger Heu geerntet. Als göttliche Strafe wurde die Alte, gemeinsam mit dem Berg, von einer immensen Schneedecke begraben, aus der sich der Gletscher bildete. Natürlich ist das nicht wahr. Das Eis formt sich durch Ablagerung und Umwandlung des Winterschnees, der auch im Sommer liegen bleibt.
Nun wird das Eis angefasst! Es ist rau, mit Schutt im Eis und darüber. Auf der Oberfläche befinden sich die „Eispilze", kuriose Formen, die aus einem Felsblock bestehen, der von einem Stil aus Eis gestützt wird. Die Felsblöcke selbst schützen die darunter befindlichen Eisstiele vor dem Schmelzen. An den Stellen, an denen das Gefälle zunimmt, bricht die Oberfläche des Eises und es bilden sich Gletscherspalten. Kleine Wasserläufe (bediére) prägen das Eis und einige davon enden ihren Lauf, durch Schlucklöcher (Gletschermühlen), im Herzen des Gletschers.

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Säure!!!!

Auf der Oberfläche fließende Gewässer verschwinden, vom Erdboden verschluckt. Es ist die karstige Erosionswirkung, die zur Bildung märchenhafter, unterirdischer Geländeformen führt - mit ihren Flüssen, Tunnel und riesigen Höhlen - und die auf malerische Weise die Erdoberfläche modelliert, wie die entlang des Weges zwischen Pian dei Fiacconi und dem Fedaia-Stausee.
Es kommt zu diesem Phänomen, wenn das leicht säuerliche Wasser, wie das durch kleine Mengen an Kohlendioxid (CO2) angereicherte Regenwasser, auf die Felsen mit hohem Calciumcarbonat-Gehalt (CaCO3) trifft. Das saure Wasser löst das Calciumcarbonat und wandelt es in das leicht lösliche Calciumhydrogencarbonat (Ca(HCO3)2) um. Diese Reaktion ist reversibel, das heißt, aus Calciumhydrogencarbonat kann, in Form von Stalaktiten und Stalagmiten, erneut Calciumcarbonat gebildet werden.
Die am meisten verbreiteten oberflächlichen karstigen Erosionsformen, die durch Lösung des Calciumcarbonats entstanden sind, sind die Karren. Diese höchstens ein paar Meter tiefe Furchen liegen fast parallel zueinander und sind manchmal durch Grate voneinander getrennt, die spitz und schneidend sein können.