Die felsen der Brenta-Dolomiten erzählen...

  • 2 Tage
  • April, Mai, Juni, Juli, August
  • Natura & Benessere

Eine Exkursion im Herzen der Brenta Dolomiten - Weltnaturerbe, die Gesteinsgeschichte lesend, die im Kalkstein dieser, vor 230 Millionen Jahren in tropischen Meeren entstandenen Berge, geschrieben steht. Vom Passo del Grostè nach Vallesinella, dicht vorbei an den Coste di Vallesinella und den zahlreichen Quellen, die die geologische Struktur dieses Tals auszeichnen. Begleitet werden Sie dabei von dem herrlichen Blick auf die großen Gletscher der Adamello-Gruppe.


Route
• Aufbruch bei der Schutzhütte Rifugio Stoppani, am Passo del Grostè, das mit den Aufstiegsanlagen von Madonna di Campiglio, am Passo Campo Carlo Magno, erreichbar ist.
• Folgen Sie dem Wanderweg 301 hinunter in Richtung des Rifugio G. Graffer.
• Hier wechseln Sie auf Weg 382 und erreichen, vorbei an der Almhütte Malga Vallesinella di Sopra, das Rifugio Vallesinella.
• Mit dem Shuttle-Bus kehren Sie nach Madonna di Campiglio und von dort, mit dem Linienbus, nach Passo Campo Carlo Magno zurück.

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Säure!!!!

Auf der Oberfläche fließende Gewässer verschwinden, vom Erdboden verschluckt. Es ist die karstige Erosionswirkung, die zur Bildung märchenhafter, unterirdischer Geländeformen führt - mit ihren Flüssen, Tunnel und riesigen Höhlen - und die auf malerische Weise die Erdoberfläche modelliert, wie die, des Passo del Grostè.
Es kommt zu diesem Phänomen, wenn das leicht säuerliche Wasser, wie das durch kleine Mengen an Kohlendioxid (CO2) angereicherte Regenwasser, auf die Felsen mit hohem Calciumcarbonat-Gehalt (CaCO3) trifft. Das saure Wasser löst das Calciumcarbonat und wandelt es in das leicht lösliche Calciumhydrogencarbonat (Ca(HCO3)2) um. Diese Reaktion ist reversibel, das heißt, aus Calciumhydrogencarbonat kann, in Form von Stalaktiten und Stalagmiten, erneut Calciumcarbonat gebildet werden.
Die am meisten verbreiteten oberflächlichen karstigen Erosionsformen, die durch Lösung des Calciumcarbonats entstanden sind, sind die Karren. Diese höchstens ein paar Meter tiefe Furchen liegen fast parallel zueinander und sind manchmal durch Grate voneinander getrennt, die spitz und schneidend sein können.

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Einen Blick auf den Adamello

Entlang des Weges blickt man automatisch nach Westen, auf die Adamello-Gruppe mit ihren großen Gletschern. Es sind die größten der gesamten Provinz Trient. Die schlanke und alleinstehende Pyramide ist die des Carè Alto (3.462 m). Am Fuß seiner Nordseite befindet sich der Lares-Gletscher. Mit einer Oberfläche von 500 Hektar ist es der drittgrößte Gletscher der Adamello-Gruppe. Im Lehmboden dieses Streckenabschnittes können Sie kleine silberne Minerale ausmachen, wie kleine Splitter. Das sind Glimmer, im Gestein der Adamello-Gruppe vorhandene Mineralien, die während der vergangenen Zwischeneiszeiten vom Wind bis hier her getragen worden sind.

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Das Castelletto di Mezzo, eine natürliche Kühltruhe

Wenn Sie nach links blicken, können Sie den Felsturm des Castelletto di Mezzo erblicken. In seiner Wand, auf etwa 2.450 m Höhe, befindet sich der Eingang zu einer 1964 entdeckten Höhle. Am Ende der Höhle, die knapp über 1000 Meter lang ist und 50 Meter Höhenunterschied überwindet, liegt ein großer Saal, auch „il Duomo" (der Dom) genannt, der eine spektakuläre, beinahe 25 Meter hohe Eiswand beherbergt. Aktuelle Studien haben es ermöglicht, dieses ungewöhnliche Vorkommen zu erklären. Das Eis begann sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu bilden, zu Beginn der kleinen Eiszeit - der Periode kühlen Klimas -, von der auch der Alpenraum bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts betroffen war. Auf Grund der niedrigen Temperaturen im Inneren der Höhle, ist das zirkulierende Wasser gefroren, was zum progressiven Wachstum der Eiswand geführt hat. Dieses Wachstum hielt bis Ende der 80ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts an.
Ab dann konnte ein progressiver und unaufhaltsamer Verlust an Volumen vermerkt werden, der, in Anbetracht des aktuellen Klimatrends, im Laufe weniger Jahrzehnte zum vollständigen Verschwinden führen wird.

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Das Wasser ist da, aber nicht zu sehen

KARTE SEHEN
Sehenswerte

Das obere Vallesinella besteht aus einem großen Wasserbecken, oder Einzugsgebiet, welches die wenige hundert Meter tiefer liegenden Quellen des Vallesinella speist. Es handelt sich um ein etwa 12 km2 großes Karstgebiet, das im Osten durch den Passo Grosté und die Cima Brenta, im Norden durch den Altopiano dello Spinale und im Süden durch die Cima Freddolin abgegrenzt ist. Das Regen- oder Schmelzwasser des Schnees fließt nur für kurze Abschnitte an der Oberfläche. Es versickert schnell im Boden, im dichten Netz an Rissen, die für hunderte von Metern in die Tiefe der Hauptdolomit-Schichten, einem vor etwa 220 Millionen Jahren geformten sedimentären Karbonat-Gesteins, eindringen. Dieses unterirdische Netz ist durch die zahlreichen Gesteinsfrakturen entstanden. Die durch den Wasserfluss bewirkte fortschreitende Auflösung des Gesteins, erweitert das Netz der Risse in einem fort, wodurch sich ein echter, natürlichen Speicher bildet, durch den riesige Wassermengen ziehen und sich darin sammeln.

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Die Wasserquellen

KARTE SEHEN
Sehenswerte

Nachdem das Wasser in höheren Lagen in den Fels gesickert und unter der Oberfläche weitergeflossen ist, kann es durch einen Riss im Felsen erneut austreten und eine Karstquelle bilden.
Dies ist der Fall der Cascate Alte di Vallesinella (Vallesinella-Wasserfälle), die durch eine Reihe von Karstquellen zwischen 1550 und 1615 m Höhe gespeist werden, aus denen der Fluß Sarca di Vallesinella entspringt. Das Wasser, das durch das Herz des Altopiano dello Spinale fließt, tritt weiter unten aus den horizontalen Rissen aus, welche die Schichten des Hauptdolomit voneinander trennen.
Im Laufe des Jahres wechselt der Wasserfall sein Erscheinungsbild, da die Karstquellen jahreszeitlich bedingten Schwankungen unterliegen. Während dem Tauwetter im Frühling oder bei starken Regenfällen sind alle Quellen aktiv und angeschwollen; im Winter oder während Trockenperioden können sie sogar komplett verschwinden. Nur die tieferen Quellen sind permanent, während die höheren sich stufenweise auslösen und dabei, im Falle von besonders großem Wasserreichtum, als eine Art Entlastungsventil fungieren. Die Tagesschwankungen des Wasserflusses hängen dagegen von der Schnee- und Gletscherschmelze ab, die bei Tagesanbruch minimal und am Spätnachmittag am stärksten ist.